9 Antworten

  1. Kristofer
    Kristofer 25. August 2014 at 12:41 | | Antworten

    Hallo!

    Ich habe mir gestern Abend die neue Folge des Podcasts angehört, und war zum ersten Mal ziemlich genervt. Zwar bin ich kein absoluter Überexperte im Bereich der populären Musik, gewisse Kenntnisse habe ich dann aber doch. Womit wir bei den teilweise hanebüchenen Kommentaren von euch wären.

    Tic Tac Toe waren beispielsweise sehr wohl eine zusammengecastete Gruppe, zudem ist es ziemlich daneben, das Trio dem HipHop zuzuordnen. Nur weil die Mädels sprechgesangsähnliches Gestotter ablieferten, war das kein HipHop. Schade war, dass ihr zwar den Erfolg der Fanta 4 erwähnt habt, jedoch nicht auf andere Strömungen im dt. Rap jener Jahre eingegangen seid. (wenigstens das Rödelheim Hartreim Projekt und Advanced Chemistry hätten der Vollständigkeit halber erwähnt werden können.)

    Las Ketchup hatten ihren Hit erst 2002, und nahmen gar erst 2006 beim ESC teil. Da hätte ein wenig mehr Recherche nicht geschadet. Allgemein ist mir diesmal aufgefallen, dass ihr recht oberflächlich und verallgemeinernd vorgegangen seid. Ein Problem ist hier wohl sicher auch, dass ihr erst Ende der 90er im „echten“ Musikkonsumalter wart. (so wie ich übrigens auch, ich bin 85 geboren) Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man als Kind zwar alles Mögliche mitbekommt, Musik aber erst ab der Teenagerzeit wirklich wichtig wird. Dies klang ja ein wenig bei dem Boyband-Thema an.

    Es wäre evtl. besser gewesen, wenn ihr die Folge stärker strukturiert hättet. Zum Beispiel hättet ihr nach dem Schema „Trends und Gegentrends“ vorgehen können. Die 90er waren wohl durch folgende Dinge musikalisch am stärksten geprägt:

    – „Grunge“ vs. Metal / Hard Rock
    „Grunge“ ist ja eigentlich kein wirkliches Genre, sondern mehr eine Sammelbezeichnung für teils extrem unterschiedliche Bands, die lediglich in Sachen Auftreten und Herkunft Gemeinsamkeiten haben. Es wäre schon interessant gewesen, wenn ihr die musikhistorischen Zusammenhänge wenigstens angedeutet hättet. (Grunge als Mixtur von Punk und klassischem Hard Rock, Opposition gegen „Poserbands“ der späten 80er wie z.B. Guns’n’Roses)

    – Superstars vs. Gruppen
    Neben den „alten“ Superstars wie MJ oder Madonna gabs in den 90ern ja auch einige richtig große Popstars wie z.B. Mariah Carey. Dennoch waren die 90er eher eine Zeit des „Kollektivs“, was ja die Boy- und Girlgropus auch unterstreichen. Hinzu kommt die Rückkehr zum komplett gecasteten Plastikprodukt. Hier fand ich übrigens schön, dass ihr die Kelly Family als Gegenentwurf erwähnt habt.

    – Techno vs. Dancefloor, oder: Kunst vs. Spaßmüll
    Techno war ja so etwas wie die große musikalische Errungenschaft der späten 80er / frühen 90er. Das war wirklich ein neuer Sound, der ja auch sehr schnell zum Massenphänomen wurde. Wobei das Massenphänomen Techno viel mit der „Spaßgesellschaft“ der 90er zu tun hat, Techno war quasi so etwas wie ein hedonistischer Minimalkonsens.
    Parallel zum Techno war besonders die erste Hälfte des Jahrzehnts vom Dancefloor, bzw. Eurodance-Sound geprägt. Ihr habt ja z.B. 2Unlimited, DJ Bobo oder Scooter erwähnt, betrachtet man heute Charts der Jahre 92 bis 95 ist es teils fast schon erschütternd, wie viele Lieder da exakt dem Dancefloor-Aufbauschema (4/4-Gestampfe, Synthies, Frauenstimme, Rap-Strophe) folgten. Auch diese Musik fällt größtenteils unter die Kategorie „Produkt“, und war letzten Endes die Reaktion der Musikindustrie auf einen Trend, der die „alten“ Popsänger überholt hatte. Hier bietet sich auch eine gute Möglichkeit, auf den ganzen „Spaßmüll“ des Jahrzehnts einzugehen. Das Prinzip lautete da ja häufig: „Man nehme eine bekannte Melodie, und unterlege sie mit einem Technobeat.“

    Die späten 90er waren von einer gewissen Orientierungslosigkeit geprägt. Die großen Trends (Grunge, Techno/Dance, Boybands, HipHop) hatten allesamt in der ersten Hälfte des Jahrzehnts ihre Spitzenzeit. Während die Mainstream-Tanzmusik zusehends sich an die „alte“ Popmusik annäherte und immer weiter verflachte, verloren andere Subgenres jegliche innovatorische Zugkraft. Besonders die Rockmusik geriet gegen Ende des Jahrzehnts in eine „Identitätskrise“. Die Totgeburt Crossover, die dann mehr oder minder fließend in den „Nu Metal“ überging, kann da wohl noch als größter Trend ausgemacht werden.

    Andererseits waren die 90er vor allem ein Jahrzehnt der künstlerischen Emanzipation. Das Stichwort „Indie“ gibt nur äußerst grob wieder, welche plötzliche Kreativität und Vielfalt seitab des Mainstreams vorzufinden war. Gerade die Briten wussten mit zahllosen grandiosen neuen Impulsen zu überzeugen. („Britpop“ a la Oasis oder Blur markiert hier nur die Spitze des Eisbergs, man denke auch an Gruppen wie Radiohead, Pulp, oder Supergrass) Zudem gab es am Rand vielerlei tolle Innovationen, die sich später auch bis in den Mainstream schieben sollten. (2-Step z.B., was als relativ flaches Subgenre begann, führt heute ein neues Dasein in Form von dekonstruktivistischer Musik der Marke Burial.)

    Die deutsche Bandlandschaft war ziemliches Brachland, ihr habt ja mit den Hosen und den Ärzten die beiden wichtigsten Vertreter erwähnt. Allgemein kann man die 90er wohl als das Jahrzehnt subsumieren, in dem die Deutschen außer Blödelei und Imitation nur sehr wenig bewerkstelligt haben. Eine Ausnahme sind hier sicherlich Rammstein, die mit ihrem Industrial-Metal auch international Anerkennung fanden.

    Ich merke gerade, dass ich mich ein bisschen in Rage geschrieben habe…ich liebe Musik, und eigentlich mag ich auch euch und euren Podcast. (besonders die Internetfolge war sehr schön.) Aber bitte bemüht euch in Zukunft darum, eure Themen ein bisschen genauer zu recherchieren, bzw. mehr zu strukturieren. Ich weiß, dass ihr keinen Expertenpodcast machen wollt, wenn aber viele Falschinformationen enthalten sind, schmälert das den Hörgenuss doch ein wenig.

    Grüße und ne schöne Zeit,
    Kristofer

  2. Chopps
    Chopps 25. August 2014 at 13:00 | | Antworten

    mit verlaub, wer so wenig über die musik der neunziger weiss wie ihr beide, der sollte eventuell etwas anderes zum thema einer podcast-folge machen.
    gruss
    chopps

    1. Harle
      Harle 25. August 2014 at 14:05 | | Antworten

      Einerseits kann man dir natürlich zustimmen, da viele Dinge aus den 90ern fehlten oder nicht so ausführlich behandelt wurden.
      Aber andererseits sehe ich den Podcast als Plattform für die beiden, von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Musik zu berichten. Ich habe beispielsweise alles im Podcast gehört, was ich auch erwartet habe, da ich in ungefähr dem gleichen Alter bin wie die beiden, also sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe.
      Und da es ja um die populärste Musik gehen sollte finde ich es auch nicht allzu verwunderlich, dass ganze Genres außen vor gelassen wurden (wobei man da den Grunge auch nicht unbedingt hätte erwähnen müssen, aber Kurt Cobain ist einfach zu groß dafür (; ).
      Und ich glaube, ein Podcast über die 90er gibt es nicht her, die gesamte Musik der 90er, ihre Auswirkungen und ihre Herkunft genau zu beleuchten, das würde ja schon eher eine eigene Podcast-Serie benötigt.

  3. eltrash
    eltrash 29. August 2014 at 8:52 | | Antworten

    Hallo ihr beiden, lasst euch nicht entmutigen, ich fand die Folge spitze. Sie hat mich sehr unterhalten. Ihr wart damals keine Profis und seid es heute auch nicht. Ich erwarte hier keine wissenschaftliche Abhandlung der Musikgeschichte, dafür würde ich ARTE einschalten, wo übrigens letztens mehrere Doku zur Musikgeschichte der 90er liefen: „Welcome to the 90s“ und „The 90s in Music“. Ich möchte hören, wie Ihr die Zeit damals™ erlebt habt und das könnt ihr wunderbar vermitteln. Macht unbedingt weiter so!

    Gruß und Respekt

  4. Maliko
    Maliko 30. August 2014 at 23:53 | | Antworten

    Ich kann erst mal nur eines zu meinen ganzen Vorpostern sagen. Macht es doch besser. Nehmt einen Podcast auf, der musikhistorisch komplett korrekt ist und dann trotzdem noch so unterhaltsam ist.

    Allerdings ist es schwer in knapp zwei Stunden ein so „komplexes“ Jahrzehnt der Musikgeschichte zusammenzufassen. Daher wäre es vielleicht besser gewesen, ihr hättet noch eine Dritte Stunde dran gehängt und den Podcast in zwei Teile gesplittet, wie es Christian und Peter bei Young in the 80s mit den Filmen gemacht haben.

    Alles in allem aber ein wirklich guter Podcast, der mich sehr gut unterhalten hat.

  5. Christian
    Christian 1. September 2014 at 14:48 | | Antworten

    War eine ganz nette Folge!

    Ich hätte mich über eine Erwähnung des 80er Revivals Ender der 90er v.a. in Deutschland gefreut, was in der Größenordnung so vorher meine ich noch nicht statt fand.

  6. Sina
    Sina 15. September 2014 at 13:49 | | Antworten

    Hallo ihr beiden,

    mir hat die Folge gut gefallen. Natürlich habt ihr nicht alles behandelt, allerdings darf man nicht vergessen, dass es sich hier um ein Hobbyprojekt von euch handelt und keinerlei auf 100% Korrektheit/Vollständigkeit ausgerichtet ist. Ich bin Anfang 1992 geboren und habe als kleines Kind auch viel Musik im Radio konsumiert, allerdings erst Mitte der 2000er begonnen mich wirklich intensiv mit Musik und ihren Stilen auseinanderzusetzen. Deswegen danke ich euch für diesen Podcast, der mich wieder an meine Kindheit erinnert. Weiter so!

    Liebe Grüße
    Sina

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